Covid-19: Von der Pandemie zum resilienten Krankenhaus

Die existentielle Bedeutung von Medizin und Pflege kommt im gesellschaftlichen Bewusstsein an

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie haben viele Menschen in den besonders betroffenen Ländern Europas ihre Dankbarkeit und ihren Respekt vor der Leistung der klinischen Mitarbeiter*innen zum Ausdruck bringen. Wir können uns diesem Applaus nur von Herzen anschließen.

Leider hat das Klatschen auch Wunden berührt. Vor allem viele Pflegende spüren den Schmerz einer über Jahre gefühlten Missachtung der Bedeutung ihrer Arbeit. Daher wurde das Klatschen dann auch von einigen zurückgewiesen. Wir wünschen uns und glauben, dass die Corona-Krise vielen Menschen nachdrücklich klar gemacht hat: Gesundheit ist keine Ware, man kann sie nicht beliebig ökonomisieren und Medizin und Pflege sind für uns alle existentiell wichtig. Das wird sich (wenn auch nicht 1:1) in der zukünftigen Gesundheitspolitik niederschlagen.


Was machen wir jetzt mit den Corona-Kapazitäten?

Die SARS-CoV-19 Pandemie stellt Krankenhäuser weiterhin vor große Herausforderungen:

  • Erhöhte Vorhaltung von räumlichen, technischen und personellen Ressourcen für die Versorgung von Covid-19 Patienten bei gleichzeitig starken Auslastungsschwankungen.
  • Reduzierte Leistungen in der elektiven Patientenversorgung mit der Anforderung, diese einerseits wieder hochzufahren, andererseits die Ressourcen für eventuelle regionale Pandemiewellen aufrechtzuerhalten.

Insbesondere im Bereich der Intensivmedizin sind daher entsprechende Personalkonzepte erforderlich. Die Frage ist: inwieweit, wann und wie lange braucht es dafür zusätzliches Personal? Zur Veranschaulichung dienen folgende, vereinfachende Szenarien:

Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 1a: Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand aus
Pandemie-Versorgungs-Szenario 1a: Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 2a: Elektive Entlastung gleicht Aufwand für Vorhaltung nicht aus


Pandemie-Versorgungs-Szenario 2a: Elektive Entlastung gleicht Aufwand für Vorhaltung nicht aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 1b:   
 Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand nur teilweise aus
Pandemie-Versorgungs-Szenario 1b:
Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand nur teilweise aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 2b: (regionale Pandemiewelle überlastet zeitweise alle Ressourcen)


Pandemie-Versorgungs-Szenario 2b: (regionale Pandemiewelle überlastet zeitweise alle Ressourcen)

In den meisten Kliniken wurde der Zusatzaufwand durch die Schaffung von Covid-19-Kapazitäten durch die elektive Entlastung zeitweise mehr als ausgeglichen. Das ändert sich nun, wenn die elektive Versorgung wieder angefahren wird: Nun müssen nämlich Pandemie-Betten freigehalten und Covid-Patienten versorgt werden, während gleichzeitig der „Normalbetrieb“ laufen soll.

Eine der Fragen dabei ist, inwieweit die Vorhaltung von räumlichen Ressourcen gleichzeitig mit einer (um wie viel) erhöhten Personalbindung einhergeht.

Wichtig erscheint uns jedenfalls, dass Kliniken auch für das 2. Szenario gerüstet bleiben, da jede Region innerhalb kurzer Zeit von einer Pandemiewelle betroffen sein kann. Hierfür ist eine Erhöhung des ständigen Personals keine geeignete und ausreichende Antwort. Selbst wenn man eine Erhöhung des ständigen Personals finanzieren könnte, wäre die erforderliche Anzahl von Ärzten und Pflegenden in Deutschland gar nicht verfügbar, würden alle Krankenhäuser eine ähnliche Strategie fahren. Im Fall einer Pandemiewelle sind regional übergreifende Kooperationen zwischen Kliniken und der Rückgriff auf Reserve-Personalpools notwendig. All dies steht nur zur Verfügung, wenn es in Zeiten relativer Ruhe geplant und vorbereitet wird. Das Kapitel Rekrutierung zusätzlicher Personalkapazitäten bleibt also aktuell.

Auch wenn die Entwicklung ungewiss ist: Wir planen immer. Man kann nicht nicht planen. Das was man tut ist nämlich letztlich nichts anderes als das Resultat einer impliziten Planung – das sich-Einstellen auf das, was man für das Wahrscheinlichste hält. In der Corona Krise sollte es dazu immer auch einen Plan B und C geben.

Falls Sie in Ihrer Klinik Beratung bei der Ausgestaltung der Personalplanung im Verlauf der Covid-19-Pandemie benötigen, sprechen Sie uns gerne an.


Wege zu mehr Resilienz im Krankenhaus

Zunächst wäre hier natürlich die bisherige Grundlage der Finanzierung von Krankenhäusern in Frage zu stellen – was insofern nichts nützt, weil sich diesem unserem und vermutlich auch Ihrem Einfluss weitgehend entzieht.

Deshalb müssen wir die Frage enger fassen:

Was haben Sie / was hat Ihr Krankenhaus im Umgang mit der Herausforderung Covid-19-Pandemie gelernt? Was lief gut – was könnte man in Zukunft besser machen? Und: Was können Sie in Ihrem Krankenhaus tun, um mehr Resilienz zu erreichen?

Unsere Unterstützungsmöglichkeiten bei der Förderung von Resilienz beinhalten folgende Aspekte:

  • Aufbau von Flexibilität und Ressourcen für die Bewältigung von zukünfttigen Herausforderungen (Pandemie, Resistenzentwicklung)
  • Förderung der Resilienz von Mitarbeitern und deren Verhalten in der Organisation
    • Stärkung von Akzeptanz, Lösungsorientierung, Selbstwirksamkeit aktive Übernahme von Verantwortung, Stresskompetenz, Wir-Gefühl, Zukunftsperspektive
    • durch Fortbildungen/Seminare/Trainings und auch durch konkrete Organisationsentwicklungsprojekte, die ein bisher nicht gekanntes Maß an Beteiligung und Mitverantwortung ermöglichen
  • Verbesserung von Belastungssteuerung und Stressbewältigung durch Optimierung von Workflow und Zusammenarbeit
  • Sozialverträgliche Dienstplanung unter Berücksichtigung von Präferenzen, Verfügbarkeitseinschränkungen, „Gerechtigkeit“ und mit hoher Planbarkeit und Zuverlässigkeit

Entwicklung der Covid-19-Pandemie

30.6.2020: Europa freut sich – die Welt leidet

Während in Europa die Meinung vorherrscht, das Schlimmste sei ja nun überwunden und das Verhalten in der Bevölkerung zunehmend entspannter (und nachlässiger) wird, sehen wir weltweit eine zunehmend exponentielle Entwicklung der Fallzahlen.

Bei den Diskussionen über Konjunkturpakete vermissen wir Nachrichten über Anstrengungen, besonders betroffenen Regionen (etwa in Südamerika) aktive und tatkräftige Unterstützung zu geben. Hinzu kommen die Probleme der Länder, in denen die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und existentiellen Gütern gefährdet ist. Covid-19 ist ein Problem der ganzen Welt und sollte mehr Solidarität hervorbringen, als wir es derzeit sehen.

Strategien zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie (28.4.2020)

Unter dieser Überschrift haben die Fraunhofer- Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck- Gesellschaft am eine Stellungnahme herausgegeben, die m.E. a) wissenschaftlich fundiert und b) klar formuliert ist und c) der Komplexität gerecht wird.

Download der Stellungnahmen der Forschungsorganisationen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie:

Strategien zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie (PDF)

Adaptive Strategien zur Eindämmung der COVID-19-Epidemie (PDF)

Hier der Versuch, die Erkenntnisse aus diesen Veröffentlichungen in einem (etwas eigenwilligen) Schaubild zusammenzufassen:

Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie
Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie

Wir unterstützen Sie jederzeit gerne – so können Sie uns erreichen

Wenn Sie Unterstützung bei Fragen der Dienstplanung bzw. des gesamten Arbeitszeit- und Ausfallmanagements haben, können Sie sich jederzeit gerne direkt an uns wenden:

Telefonisch: 08131 / 310 68 72

Per E-Mail: mueller(at)win-win-work.de

Sie können auch gerne das nachstehende Kontaktformular verwenden: