Pandemie-Planung für Krankenäuser

17.10.2020: Wir hatten uns schon daran gewöhnt zu sagen: War doch alles nicht so schlimm bzw. gar nicht nötig. Nun gilt es, wieder wach zu werden und sich darauf vorzubereiten, dass die klinischen Fallzahlen sehr schnell steigen können.

Einschätzungen zur Entwicklung der Covid-19 Pandemie

Vorhersage-Modelle

Die Universität des Saarlandes hat unter Leitung von Prof. Thorsten Lehr einen Covid-19-Simulator zur Modellierung und Vorhersage für die deutschen Bundesländer entwickelt.

Die Arbeitsgruppe Neuroinformatik an der Universität Osnabrück hat in Zusammenarbeit mit dem Jülich Supercomputing Centre ein Prognosemodell für sämtliche Landkreise in Deutschland entwickelt. „Es betrachtet dazu nicht nur die wahrscheinlichste Entwicklung oder die mittlere Entwicklung, sondern schätzt die Wahrscheinlichkeit für verschiedene Szenarien ab, die mit der aktuellen Datenlage kompatibel sind.

Der Epidemic Calculator von Gabriel Goh bietet die Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko, den Bedarf an Krankenhaus- und Intensivbetten und die zu erwartete Zahl an Todesfällen für eine Population nach dem SEIR Modell zu berechnen. Die Parameter können dabei selbst bestimmt werden, die Default-Settings stammen aus einer früheren Phase der Pandemie.

Information über die Entwicklung der Fallzahlen – Corona | Covid-19 – weltweit

Fallzahlen – Corona | Covid-19 – in Deutschland:

Täglicher Lagebericht – Corona | Covid-19 – nach Bundesland und Landkreis:

Deutschlandweite Übersicht über verfügbare Intensivbetten

Im DIVI Register werden verfügbare Intensivbetten gemeldet. Tägliche Aktualisierung und bundesweite Kartendarstellung.

Divi-Intensivregister mit Listenansicht nach einzelnen Kliniken mit ICU low-care, ICU high-care, ECMO.


Gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskussion über den Sinn Pandemie-eindämmender Maßnahmen

1. Oktober 2020: Es wird nach wie vor darüber diskutiert, ob und inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, Maßnahmen zur Eindämmung der Corona Pandemie politisch und gesellschaftlich durchzusetzen. Schon die Maskenpflicht erscheint vielen als eine untragbare Zumutung. Selbst das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. hat eine Stellungnahme herausgegeben, deren Tenor tendenziell in die Richtung geht, Maßnahmen kritisch zu bewerten, weil deren Schaden möglicherweise größer sei, als deren Nutzen.

Im Hinblick auf die Stellungnahme des EBM-Netzwerks stellen sich uns folgende Fragen:

# Wenn der Satz aus der EBM-Stellungnahme: „Eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems ist auch jetzt nicht zu befürchten.“ dazu führt, dass eindämmende Maßnahmen (Mund-Nasen-Schutz!) nicht mehr toleriert werden: Welches Risiko besteht dann, dass es doch wieder zu einem exponentiellen Anstieg mit R0 >> 1,0 kommt?

# In der Einschätzungen des EBM zur Infection Fatality Rate werden Studien hervorgehoben, die eine IFR von unter 0,5% angeben. [Hinweis: Die Joannidis-Metaanalyse zur Infection Fatality Rate, basierend auf Daten bis September 2020 kommt u.a. zu dem Ergebnis: „Across 51 locations, the median COVID-19 infection fatality rate was 0.27% (corrected 0.23%)“] (Wie) verändert sich dieser Wert unter der Bedingung eines überlasteten Gesundheitswesens?

# Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass junge und gesunde Menschen wenig zu befürchten haben. Welches Wertesystem wollen wir bei der Bewertung von Risiken zugrundelegen?

# Beim Thema Mund-Nasen-Masken wurde für den Community Bereich eine Reduktion des Risikos um nur 17% angegeben – für den Gesundheitsbereich eine Risikoreduktion von deutlich über 80%. Was ist die Konsequenz aus solchen Daten? Masken bringen nichts oder besser: Masken RICHTIG anwenden?

Inzwischen (20.10.2020) hat sich die Diskussion ausgeweitet: In der sog. Great Barington Declaration wird gefordert, sämtliche Schutzmaßnahmen aufzuheben und nur die Risikogruppen zu schützen („Focused Protection“).

Dieser Auffassung wird von zahlreichen Wissenschaftler*innen vehement widersprochen. Im John Snow Memorandum wird dargelegt, dass die Aufhebung aller Schutzmaßnahmen ein nicht verantwortbares Risiko darstellt und die Umsetzung der „focused protection“ nicht praktikabel ist. Zudem wird auf das Problem der Long COVID Syndrome hingewiesen. Dementsprechend hat die Deutsche Gesellschaft für Virologie am 19.10.20 eine Stellungnahme herausgegeben, die die Positionen des John Snow Memorandums ausdrücklich stützt. Eine Aufgabe der Eindämmungsstrategie wird entschieden abgelehnt. Ergänzend sei noch auf den statistischen Nachweis der Übersterblichkeit in Europa im Frühjahr 2020 hingewiesen (vgl. die Pressemitteilung von Eurostat).

Unsere Auffassung hierzu ist klar: Wenn wir in der Bevölkerung weiterhin Disziplin halten, d.h. Masken tragen, physischen Abstand halten, Großversammlungen und Privatparties vermeiden, erhalten wir ein maßvolles Gleichgewicht zwischen dem Nutzen der Risikobegrenzung und den „Kollateralschäden“ der Einschränkungen.

Welcher bergab fahrende Autofahrer würde auf die Idee kommen, dass er nicht mehr bremsen muss, weil sein Auto nicht beschleunigt hat?


Pandemie-Checkliste für Krankenhäuser

Stand: 30.6.2020

Inzwischen haben die Krankenhäuser die strukturellen und organisatorischen Änderungen der Pandemiephase wieder rückgängig gemacht. Dennoch bleibt das nicht ganz unwahrscheinliche Szenario von zumindest regionalen Pandemie-Wellen bestehen.

Nachfolgend finden Sie die RKI Empfehlungen für Krankenhäuser mit unseren Ergänzungen im Hinblick auf die konkrete Realisierung. Sie können dies als Checkliste nutzen, um Ihren Pandemieplan gegebenenfalls zu ergänzen.

Stufenkonzept zur Verhinderung von Crowding bei der Versorgung von Corona-Patienten


Stufenkonzept für die Versorgung von Corona-Patienten | Covid-19
Stufenkonzept für die Versorgung von Corona-Patienten:
Ziel ist es, die Anzahl der direkt ins Klinikum kommenden Patienten zu minimieren

Telemedizinische Möglichkeiten nutzen

Seit dem 19.03. steht die CovApp der Charité zur Verfügung. Damit können besorgte Bürger*innen selbst eine erste Einschätzung vornehmen, ob sie sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Die App generiert einen Barcode, der in Kliniken oder Praxen ausgelesen kann (ein Barcode-Scanner auf jedem Handy als App installierbar).

CovApp der Charité

Wenn und solange es personell leistbar ist, können Sie eine Telefon-/Videosprechstunde anbieten. Damit entlasten Sie Ihr Krankenhaus, da Patienten, die nicht sofort gesehen werden müssen, erst gar nicht (mit Corona | Covid-19) ins Haus kommen.

Wir haben hierfür nachstehend Anleitungen erstellt, die es ermöglichen, solche Angebote ohne größere technische Vorkehrungen umzusetzen.

Im einfachsten Fall lassen sich Videokontakte sogar mit (eigens dafür angeschafften) Handys mit WhatsApp realisieren. Dies ist sicherlich der einfachste Zugang zu Videotelefonie.

Machen Sie diese Angebote auf Ihrer Internetseite bekannt.

Eine Zusammenarbeit mit der KV ist hier sicherlich zielführend.


Schulung von Ärzten und Pflegepersonal (Knowledge-Booster)

Workflow

Auch wenn Sie in Ihrem Haus bereits alles geregelt haben, wissen es wahrscheinlich noch nicht alle, die es wissen sollten: Das Wichtigste ist die Information aller Beteiligten.

  • Triage (wo, wer, spezielle Kriterien)
  • Unterbringungsbereiche nach Fallschwere
  • Patiententransport im Haus
  • Diagnostik (Kriterien)

Siehe auch nachfolgende Kapitel: Persönliche Vorbereitung auf den Klinikeinsatz nach einer Berufspause


Einzelunterbringung im stationären Bereich / Kohortenisolierung / Wegeführung

Das RKI empfiehlt die zeitliche oder räumliche Trennung von Patienten mit Anzeichen einer akuten respiratorischen Erkrankung (ARE) und anderen Patienten im ambulanten Bereich.

Bitte prüfen Sie, ob Sie einen Gebäudeteil mit separatem Eingang als primäre Anlaufstelle für Patienten mit Verdacht auf eine Coronainfektion nutzen können. Die Patienten sollten von außen in das Gebäude und somit nicht andere Bereiche des Krankenhauses betreten.

Konzentrieren Sie die Patienten, die nicht entlassen werden können, um freie Stationen für die Versorgung von Covid-Patienten zu bekommen.

Bitte prüfen Sie, ob es auf dem Gelände Ihres Hauses möglich ist, eine drive through Diagnostik einzurichten.

Richten Sie einen eingangsnahen Triage Bereich ein, mit daran angrenzende Räumen zur Behandlung und Beratung von Patienten ohne schwerwiegende Symptome (fast track Fiebersprechstunde / Corona-Ambulanz). Nutzen Sie auch Räume, die sonst für elektive Sprechstunden vorgesehen sind als Corona-Ambulanz.

Im Bereich der Diagnostik, insbesondere in der Radiologie, sollte ein Raum für das Thorax-Röntgen von Patienten mit Infektionsverdacht reserviert werden.

Prüfen Sie, wie Sie eine möglichst kreuzungsfreie Wegeführung für den Transport von infektiösen Patienten im Haus ( Corona | Covid-19) einrichten können.

Wenn möglich, sollten Thorax-Aufnahmen mit einer mobilen Röntgeneinheit direkt im Bereich der Corona-Ambulanz durchgeführt werden können. Falls dies nicht möglich ist, sollte eigenes Transportpersonal die Patiententransporte zwischen dem ausgewiesenen Röntgenthoraxraum und dem kontaminierten Bereich übernehmen. Auch die Patienten tragen MNS.


Kohortenpflege (Trennung des medizinischen Personals)

Ärzte und Pflegepersonal, das mit potenziell CoV-infizierten Patienten in Kontakt tritt, wird nicht für die Versorgung nichtinfizierter Patienten eingesetzt. Dies erfordert bereits vor dem Beginn eines Patientenansturms die Rekrutierung von Freiwilligen. Das Personal, welches mit Corona-Infizierten arbeitet, darf nicht mit dem Personal, welches nicht infizierte Patienten versorgt, in Kontakt treten. Dies gilt auch für den Diagnostikbereich.

Rekrutierung von Freiwilligen für die Kohortenpflege

Wer hat die Führung? Ggf. über geänderten Führungsprozess informieren (s.u.)


Ressourcen-Check

Vorhaltung von Corona-Kapazitäten: Vorbereitung auf verschiedene Szenarien

Die SARS-CoV-19 Pandemie stellt Krankenhäuser weiterhin vor große Herausforderungen:

  • Erhöhte Vorhaltung von räumlichen, technischen und personellen Ressourcen für die Versorgung von Covid-19 Patienten bei gleichzeitig starken Auslastungsschwankungen.
  • Reduzierte Leistungen in der elektiven Patientenversorgung mit der Anforderung, diese einerseits wieder hochzufahren, andererseits die Ressourcen für eventuelle regionale Pandemiewellen aufrechtzuerhalten.

Insbesondere im Bereich der Intensivmedizin sind daher entsprechende Personalkonzepte erforderlich. Die Frage ist: inwieweit, wann und wie lange braucht es dafür zusätzliches Personal? Zur Veranschaulichung dienen folgende, vereinfachende Szenarien:

Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 1a: Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand aus
Pandemie-Versorgungs-Szenario 1a: Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 2a: Elektive Entlastung gleicht Aufwand für Vorhaltung nicht aus


Pandemie-Versorgungs-Szenario 2a: Elektive Entlastung gleicht Aufwand für Vorhaltung nicht aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 1b:   
 Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand nur teilweise aus
Pandemie-Versorgungs-Szenario 1b:
Elektive Entlastung gleicht Zusatzaufwand nur teilweise aus
Krankenhaus Covid-19 Pandemie-Versorgungs-Szenario 2b: (regionale Pandemiewelle überlastet zeitweise alle Ressourcen)


Pandemie-Versorgungs-Szenario 2b: (regionale Pandemiewelle überlastet zeitweise alle Ressourcen)

In den meisten Kliniken wurde im Frühjahr 2020 der Zusatzaufwand durch die Schaffung von Covid-19-Kapazitäten durch die elektive Entlastung zeitweise mehr als ausgeglichen. Das ändert sich nun im Herbst 2020, nachdem die elektive Versorgung wieder auf ein weitgehend normales Niveau angefahren wurde, während zugleich ein deutlicher Anstieg der Anzahl an intensivpflichtigen Covid-19-Patienten wahrscheinlich ist: Nun müssen nämlich Pandemie-Betten freigehalten und Covid-Patienten versorgt werden, während gleichzeitig der „Normalbetrieb“ laufen soll.

Eine der Fragen dabei ist, inwieweit die Vorhaltung von räumlichen Ressourcen gleichzeitig mit einer (um wie viel) erhöhten Personalbindung einhergeht.

Wichtig erscheint uns, dass Kliniken auch für das 2. Szenario gerüstet bleiben, da jede Region innerhalb kurzer Zeit von einer Pandemiewelle betroffen sein kann. Hierfür ist eine Erhöhung des ständigen Personals keine geeignete und ausreichende Antwort. Selbst wenn man eine Erhöhung des ständigen Personals finanzieren könnte, wäre die erforderliche Anzahl von Ärzten und Pflegenden in Deutschland gar nicht verfügbar, würden alle Krankenhäuser eine ähnliche Strategie fahren. Im Fall einer Pandemiewelle sind regional übergreifende Kooperationen zwischen Kliniken und der Rückgriff auf Reserve-Personalpools notwendig. All dies steht nur zur Verfügung, wenn es in Zeiten relativer Ruhe geplant und vorbereitet wird. Das Kapitel Rekrutierung zusätzlicher Personalkapazitäten bleibt also aktuell.

Auch wenn die Entwicklung ungewiss ist: Wir planen immer. Man kann nicht nicht planen. Das was man tut ist nämlich letztlich nichts anderes als das Resultat einer impliziten Planung – das sich-Einstellen auf das, was man für das Wahrscheinlichste hält. In der Corona Krise sollte es dazu immer auch einen Plan B und C geben.

Falls Sie in Ihrer Klinik Beratung bei der Ausgestaltung der Personalplanung im Verlauf der Covid-19-Pandemie benötigen, sprechen Sie uns gerne an.

Beatmungsgeräte

  • Stand der Beschaffung zusätzlicher Geräte?

Schutzkleidung

  • Optimal wäre: rundum geschlossene Einmalkleidung, Tyvek-Anzug
  • Wenn nicht ausreichend Einmalschutzkleidung beschafft werden kann: Wiederverwendbare Schutzkleidung, Aufhängevorrichtungen (für wasserfeste, wiederverwendbare Schutzkleidung) ohne Gefahr der Umgebungs-Kontamination
  • Sprühflaschen (Pumpsystem, gibt es im Baumarkt) zur Dekontamination bei Verwendung von wasserfester Mehrweg-Schutzkleidung

FFP2-Masken

  • Optimal: FFP2 Einweg-Masken, bei invasiven Maßnahmen FFP3
  • Wenn nicht ausreichend: Sind auch wiederverwendbare Masken vorhanden? Zur Mehrfachnutzung von MNS und FFP-Masken siehe entsprechende Empfehlungen des RKI

Video: Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN): Eingeschränkte Verfügbarkeit von FFP2 Masken in der augenblicklichen Situation mit der SARS-CoV-2 Infektionswelle

E-Learning von Bibliomed: Selbstschutz im Umgang mit COVID-19

Hinweise der DGIIN zur Wiederverwendung von FFP2-Masken

Schutzbrillen

werden ungern getragen („ach was, das brauchts doch nicht„), sind aber bei engem Kontakt mit Covid-19-Patienten erforderlich.

Desinfektionsmittel

  • Hände (Spender, Standorte); Desinfektionsmittel ggf. von der Krankenhausapotheke herzustellen (z.B. WHO-Rezept)
  • Flächen
  • Der Klassiker: Das Zeiterfassungsterminal. Hier teilen sich sämtliche Beschäftigten die Keime auf ihrem Zeigefinger.

Einmalgeschirr / Besteck / Trinkgefäße

  • Wenn nicht Einmalgeschirr nicht verfügbar: Desinfektion des verwendeten Geschirrs
  • Geschirrspülmaschine direkt im Pflegebereich (Geschirr verlässt kontaminierten Bereich nicht); Wenn nicht möglich: ggf.: eigener Spülbereich mit eigenem Personal und ausgewiesener Weg zum Spülen (markierte Transportwägen nur für Corona)

Speisenentsorgung (roter Sack)



Informationen für Patienten und Angehörige

An allen Eingangsbereichen und im Internet können Merkblätter vorgehalten werden, wo sich Patienten oder Angehörige in verschiedenen Situationen hinwenden sollen. Die Merkblätter können farblich unterschieden und auch in mehreren Sprachen verfügbar sein.

Beispiele:

  • Ich stehe nicht unter Corona-Verdacht und brauche dringend medizinische Hilfe.
  • Mein*e Angehörige*r ist mit Corona-Verdacht eingeliefert worden – wo kann ich sie finden?

Um den Zustrom von Patienten möglichst gering zu halten, ist es hilfreich, Möglichkeiten der „Selbstdiagnose“ bereitzustellen. Die CovApp der Charité bietet eine solche Möglichkeit.

Angesichts der sich abzeichnenden Ressourcen-Engpässe können sehr schwierige Kommunikationssituationen mit Patienten und Angehörigen entstehen. Für die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen gibt es eine Formulierungshilfe von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.


Triage

Bis Mitte Oktober ist die Covid-19-Pandemie in Deutschland ohne gravierende klinische Engpass-Situationen abgelaufen und es ist gut möglich, dass das auch so bleibt – wie wir alle hoffen. Doch auch wenn dies gegenwärtig noch unvorstellbar erscheint, ist es doch erforderlich, sich auf die Situation einer „kritischen Triage“ vorzubereiten. Sollten Triage Ärzte und Ärztinnen einmal in die Situation kommen, dass sie entscheiden müssen, wer ein Beatmungsbett bekommt und wer nicht, dürfen Sie mit der Entscheidung nicht alleingelassen sein. Hier sind frühzeitig Szenarien zu diskutieren, damit unter Berücksichtigung juristischer, ethischer und emotionaler Aspekte den klinischen Entscheidungsträgern bestmögliche Unterstützung gegeben wird.

Am 25. März 2020 haben mehrere Fachgesellschaften (DIVI, DGINA, DGAI, DGIIN, DGP, AEM) klinisch-ethische Empfehlungen für die Zuteilung von Ressourcen herausgegeben:

Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie. Die jeweils aktuelle Version der Empfehlungen soll auf der Webseite www.divi.de zugänglich sein.

Zur Frage, WER solche Entscheidungen treffen soll, schreiben die Fachgesellschaften:

„Ein vorab definiertes Verfahren der Entscheidungsfindung mit klar geregelten Verantwortlichkeiten ist Voraussetzung für konsistente, faire sowie medizinisch und ethisch gut begründete Priorisierungsentscheidungen. Daher sollen die Entscheidungen möglichst nach dem Mehraugen-Prinzip erfolgen unter Beteiligung

  • von möglichst zwei intensivmedizinisch erfahrenen Ärzten
  • von möglichst einem Vertreter der Pflegenden
  • ggf. weiteren Fachvertretern

Wir halten es für sinnvoll, VOR dem Eintreten solcher Entscheidungssituationen zu klären, wer die Entscheidungsträger sein sollen (welche Positionen, ggf. auch welche Personen sollen hier herangezogen werden).

Desweiteren halten wir es erforderlich, folgende Frage zu klären: Es kann die Situation eintreten, in der ein*e Patient*in, mit an sich guten Überlebenschancen, ausschließlich deshalb nicht beatmet wird, weil kein Respirator verfügbar ist. Wann soll eine manuelle Beatmung mit Beutel und Druckbegrenzung + PEEP-Ventil durch Hilfskräfte initiiert werden? Auch wenn diese Option beim Vollbild des ARDS wenig aussichtsreich erscheinen mag, ist sie dennoch zu diskutieren und zu klären.

Inzwischen wird auch diskutiert, ob es die Möglichkeit gibt, mit einem Beatmungsgerät mehrere Patienten zu beatmen. Dieses Verfahren wurde erstmals 2017 in Las Vegas bei einer Schießerei mit mehreren Schwerverletzten beim Menschen angewendet. Ansonsten gibt es bislang offenbar nur eine Feasibility Study: A Single Ventilator for Multiple Simulated Patients to Meet Disaster Surge. Ein Y-Konnektor für diesen Zweck wird bereits unter dem Namen VESper angeboten. Es ist klar, dass dieses Verfahren mit enormen Schwierigkeiten einhergeht, u.a. unterschiedliche pulmonale Compliance, unterschiedliche Oxygenierbarkeit etc. Die American Association for Respiratory Care geht (zusammen mit weiteren Fachgesellschaften) davon aus, dass es nicht möglich ist, eine suffiziente Beatmung mit einem Gerät für mehrere Patienten zu realisieren: „The … organizations advise clinicians that sharing mechanical ventilators should not be attempted because it cannot be done safely with current equipment. Attempting to ventilate multiple patients with COVID‐19 … could lead to poor outcomes and high mortality rates for all patients cohorted. It is better to purpose the ventilator to the patient most likely to benefit than fail to prevent, or even cause, the demise of multiple patients.“ (Joint Statement on Multiple Patients Per Ventilator)

COVID-19 How to Use One Ventilator to Save Multiple Lives (Charlene Babcock, Detroit)

Die Verwendung eines Respirators für mehrere Patienten würde außerdem gegen das Medizinproduktegesetz verstoßen und dürfte somit ausschließlich in ansonsten ausweglosen Situationen zur Anwendung kommen.

Dennoch gilt: Da die Möglichkeit grundsätzlich besteht, kann man auch hier nicht Nicht-Entscheiden.

Angesichts der sich abzeichnenden Ressourcen-Engpässe können sehr schwierige Kommunikationssituationen mit Patienten und Angehörigen entstehen. Für die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen gibt es eine Formulierungshilfe von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Diese stellt auch eine Handlungsempfehlung zur stationären Therapie von Patienten mit Covid-19 aus palliativmedizinischer Perspektive zur Verfügung (mit Dosierungsempfehlungen für die Palliativ-Medikation)

Die DIVI gibt auch Handlungsempfehlungen für die klinische psychosoziale Notfallversorgung im Rahmen von Covid-19.

Die Akademie für Ethik in der Medizin informiert über Möglichkeiten und Grenzen von Ethikberatung im Rahmender COVID-19-Pandemie.


Führung

Inzwischen werden Sie eine task force bzw. einen Krisenstab eingerichtet haben, der die notwendigen Entscheidungen trifft. Es ist aber auch in den klinischen Bereichen, in der Patientenversorgung vor Ort direkte Führung erforderlich.

In jeder Schicht sollte für die Zentrale Notaufnahme bzw. den Aufnahmebereich für Corona-Patienten eine ärztliche und eine pflegerische Einsatzleitung festgelegt werden. Diese Einsatzleitung hat das „Kommando“, im Zweifelsfall trifft der/die schichtleitende Arzt/Ärztin die Entscheidungen.

Ausgenommen von Entscheidungen nach dem Vorbild des Team-Leaders bei Reanimationen sind Triage-Situationen (s.0.), bei denen letztlich über das Weiterleben eines Menschen entschieden wird. Diese Entscheidungen werden immer von mehreren Personen gemeinsam getragen.

Auch wenn viele Entscheidungen nun mit quasi-militärischer Klarheit getroffen werden müssen, so ist eine durchgängig wertschätzende und unterstützende Kommunikationsform entscheidend für die Aufrechterhaltung der Arbeitsmoral. Höflichkeit und Respekt machen – gerade in Stresssituationen – die Arbeit schneller (und nicht langsamer). Das bedeutet: keine Vorwürfe, dafür Anerkennung oder Dank, wo immer möglich.

Energiemanagement: Achten Sie in Ihrem Team auf Pausen, BEVOR das Personal erschöpft ist. Die Regenerationsfähigkeit ist viel größer, wenn Pausen frühzeitig gemacht werden.

Wer mit seinen Tank erst einmal leergefahren hat, steht auf dem Standstreifen und muss mit dem Kanister zur Tankstelle. Also Tanken fahren, bevor die Reserve leer ist.

Schaffen Sie Klarheit und Übersicht für klinisch Tätige, geben Sie Informationen weiter.

Wo dies sinnvoll ist, kann auch Eigeninitiative zugelassen und die Autonomie der klinisch Tätigen respektiert und gestärkt werden. Gerade in Krisensituationen braucht es beide Elemente: Kreativität und Initiative jedes Einzelnen auf der einen Seite und die Bereitschaft sich führen zu lassen, auf der anderen Seite.

Richten Sie verschiedene E-Mail-Verteiler ein, damit die Krankenhausleitung bzw. die task force direkt verschiedene Kreise ansprechen kann: Alle Mitarbeiter, nur die Schichtleitungen, nur Führungskräfte etc. Per Videokonferenz (z.B. Microsoft Teams oder ZOOM) können auch Mitglieder der Klinikumsleitung sich direkt bei den in den Infektionsbereichen tätigen Mitarbeitern „sehen lassen“.


Dienstplanung & Ausfallmanagement im Verlauf der Pandemie

Wenn Sie Unterstützung bei Fragen der Dienstplanung bzw. des gesamten Arbeitszeit- und Ausfallmanagements haben, können Sie sich direkt an uns wenden (Telefon 08131 / 320 68 72, E-Mail, Kontaktformular).

Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz je nach Regierungsbezirk und Bundesland:

Bitte prüfen Sie regelmäßig die Seiten der zuständigen Regierungsbehörde. Im Verlauf der Corona | Covid-19 Pandemie werden möglicherweise Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes per Verfügung gelockert. Dies war bereits im Frühjahr z.B. in Niederbayern (und parallel der Oberpfalz, Oberbayern) der Fall.

Das heißt konkret: im Zusammenhang mit den Folgen der Ausbreitung des Corona-Virus anfallen…“) zählt, durften vorübergehend:

  • Arbeitnehmer täglich über acht beziehungsweise zehn Stunden hinaus und an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden.
  • Ruhepausen dürfen verkürzt werden, und zwar auf mindestens 15 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und auf mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt. Soweit erforderlich, darf die Gesamtdauer der Ruhepausen auf Kurzpausen von angemessener Dauer aufgeteilt werden.
  • Die Ruhezeit darf um bis zu zwei Stunden verkürzt werden.

Nicht geändert wurde in diesem Zusammenhang die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden (in 6 Monaten oder 24 Wochen), die Mitbestimmung des Betriebsrats und der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter.

Wann und in welchem Umfang derartige Ausnahmeregelungen in Kraft treten, lässt sich derzeit (20.10.2020) noch nicht absehen. Entscheidend ist jedoch: Auch wenn die Behörden Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz zulassen, muss dies immer noch von den klinisch tätigen Personen geleistet werden. Ohne eine wertschätzende und vertrauensvolle, stressminimierende Qualität der Zusammenarbeit können solche Ausnahmeregelungen nicht wirken.


Angeordneter Freizeitausgleich / Minusstunden vor der Phase mit hohem Patientenaufkommen

Mitarbeiter*innen, die (noch) nicht für die Patientenversorgung benötigt werden, weil Stationen geschlossen werden, sollen zuhause bleiben. Grundsätzlich macht es Sinn, Arbeitszeitkonten VOR der Phase des Patientenzustroms auch in den Minusbereich gehen zu lassen.

Wichtig ist die Zusicherung an die Mitarbeiter*innen, dass ihnen durch Verschiebungen und Änderung von Diensten und durch angeordneten Freizeitausgleich KEINE FINANZIELLEN NACHTEILE entstehen.


Maßnahmen zur Abfederung fehlender Kinderbetreuung

Rechtliche Grundlagen: Aussagen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

„Ist bei der Schließung der Kita/Schule unter Berücksichtigung des Alters der Kinder eine Betreuung erforderlich, so müssen die Eltern zunächst alle zumutbaren Anstrengungen unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen (z. B. Betreuung durch anderen Elternteil). Kann die erforderliche Kinderbetreuung auch dann nicht sichergestellt werden, dürfte in der Regel ein Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers bestehen, da die Leistungserfüllung unzumutbar sein dürfte (§ 275 Abs. 3 BGB). D. h. in diesen Fällen wird der Arbeitnehmer von der Pflicht der Leistungserbringung frei; es ist nicht zwingend erforderlich, Urlaub zu nehmen.

Zu beachten ist jedoch, dass bei einem Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers aus persönlichen Verhinderungsgründen nur unter engen Voraussetzungen ein Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts bestehen kann. Ein solcher Entgeltanspruch kann sich aus § 616 BGB für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit ergeben. Zudem kann der Anspruch aus § 616 BGB durch arbeits- oder tarifvertragliche Vereinbarungen eingeschränkt oder sogar vollständig ausgeschlossen sein. Nimmt der Arbeitnehmer Urlaub, erhält er Urlaubsentgelt.

In dieser Situation dürfte es hilfreich sein, zunächst das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales appelliert an alle Arbeitgeber, zusammen mit den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern pragmatische Lösungen (z. B. Homeoffice, kreative Arbeitszeitmodelle, Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten, etc.) zu vereinbaren , welche den Belangen der Familien und der Arbeitsfähigkeit der Betriebe und Einrichtungen Rechnung tragen.

Quelle: Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales am 14.3.2020

Leider sind die Vorschläge des Bundesministeriums im Krankenhaus nicht so einfach umzusetzen, daher haben wir eine Übersicht realisierbarer Möglichkeiten zusammengestellt.


Notfall-Kinderbetreuung für Klinikangehörige

Um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung während der Covid-19 Pandemie zu gewährleisten, muss es Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder von im Krankenhaus Beschäftigten geben. Für den Fall, dass die Kindertagesstätten wieder geschlossen werden sollten, gibt es freie Personalkapazitäten bei den Betreuungseinrichtungen (mit den gleichen Restriktionen, wie für alle anderen Berufsgruppen). Wir empfehlen, zeitnah Verträge mit Betreuungseinrichtungen zu schließen, um eine Kinderbetreuung zu erreichen, die möglichst folgenden Kriterien genügt:

  • Die Kinderbetreuung wird nur von demjenigen Personal in Anspruch genommen, das ohne eine solche nicht in der Klinik arbeiten KANN. Hierbei ist KANN eng auszulegen.
  • Die Kinderbetreuung wird in möglichst KLEINEN Gruppen durchgeführt, die miteinander nicht in Kontakt kommen dürfen.
  • Sobald ein Kind Infektionszeichen zeigt (aktives Monitoring), wird es aus der Kinderbetreuung genommen.
  • Die Kinderbetreuer*innen erklären sich bereit, in ihrem Privatleben die Regeln häuslicher Quarantäne einzuhalten.

Diensttausch bzw. Schichttausch zur Anpassung der Arbeitszeiten an die Betreuungssituation

Umgekehrt wird es für manche*n Beschäftigte*n schwierig sein, die Arbeitsleistung überhaupt zu erbringen, falls die Kinderbetreuung erneut wegfällt. Für manche Eltern kann es passend sein, in den nächsten Wochen vermehrt Nacht- oder Spätschichten zu übernehmen, da man sich so oft mit dem Partner in der Betreuung abwechseln kann. Hier sollte Mitarbeiter*innen mit Kindern der Vorrang in der Planung eingeräumt werden. Ggf. kann der Arbeitgeber die verlorenen Schichtzulagen der Nicht-Eltern ausgleichen.

Bei Bedarf entwickeln wir für Sie entsprechende Dienstplan-Modelle unter Berücksichtigung der Verfügbarkeitseinschränkungen. Die Kommunikation erfolgt via Telefon / E-Mail oder Videoschaltung. Wir erfassen schnell und pragmatisch die konkreten Rahmenbedingungen Ihres Hauses bzw. der betreffenden Abteilung.

Bitte nehmen Sie bei Bedarf jederzeit gerne Kontakt mit uns auf.


Energiemanagement statt Zeitmanagement

In einer Ausnahmesituation ist es weder sinnvoll noch machbar, in klassischer Weise auf die Arbeitszeit zu schauen und das Dienstende nach der Uhr zu regeln – wie uns die Situation in Teilen Italiens und Spaniens deutlich gezeigt hat (23.3.20).

Was aber wirklich notwendig ist, ist das Haushalten mit der eigenen Energie. Mitarbeiter*innen müssen die Möglichkeit haben und dazu ermutigt werden, Pausen zu machen, BEVOR ein Zustand tiefer Erschöpfung eintritt.

Wenn Pausen nicht gemacht werden, weil man sich, angesichts der Menge und Dringlichkeit der Aufgaben, nicht die innere Rechtfertigung dafür gibt. Wenn aber die Reserven komplett leer sind, ist die Erholungsphase deutlich verlängert und die Effektivität des Einsatzes sinkt insgesamt. Daher: gönnen Sie sich und Ihren Mitarbeiter*innen Pausen – auch wenn die Arbeit überwältigend sein mag – DAMIT Sie und Ihr Team die bestmögliche Betreuung aufrecht erhalten können.

Auch der Schlaf hat eine zentrale Bedeutung für die Immunabwehr. Dies ist nicht nur eine volkstümliche Binsenweisheit. Die Verbesserung der Immunabwehr durch Schlaf ist mittlerweile durch Studien belegt und auch der phyiologische Mechanismus ist zumindest teilweise verstanden (vgl. u.a. Sleep Habits and Suscebility to the Common Coldm, Arch Intern Med. 2009 January 12; 169(1): 62-67). Das bedeutet: Wenn Sie dafür sorgen, dass die Teammitglieder ausreichend Schlaf bekommen (können), reduzieren Sie wahrscheinlich auch die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion und/oder den schweren Verlauf einer solchen.


Rekrutierung zusätzlicher Personalkapazitäten

Erweiterung der Arbeitszeitkonten – Zukauf von Arbeitszeit

Im Pandemiefall (z. B. Corona | Covid-19 ) muss das Personal über die üblichen, vertraglichen Begrenzungen der Arbeitszeit hinaus eingesetzt werden. Es ist sinnvoll, über diese Situation frühzeitig mit dem Betriebsrat und mit den Mitarbeiter*innen und Teams zu sprechen. Trotz der Unabdingbarkeit dieser Maßnahme wird die Akzeptanz auch davon abhängen, welche Möglichkeiten zum Ausgleich der zusätzlichen Zeiten in Aussicht gestellt werden. Einen generellen Freizeitausgleich nach der Pandemiephase in Aussicht zu stellen, ist aller Voraussicht nach nicht realistisch. Es sollte daher frühzeitig ein Zukauf von Arbeitszeit zu attraktiven Konditionen vereinbart werden. Transparenz und Ehrlichkeit gewinnt!


Ausweitung von Teilzeitverträgen

Am leichtesten realisierbar ist derzeit die Ausweitung von Teilzeitverträgen bei Mitarbeiter*innen. Die Partnerinnen oder Partner können möglicherweise nicht ihrer üblichen Berufstätigkeit nachgehen, möglicherweise gibt es sogar Lohnausfälle. In vielen Fällen ist es angezeigt, den Teilzeitmitarbeiterinnen zumindest das Angebot zu machen, ihre Arbeitszeit aufzustocken. Dies kann auch nur für den Fall vereinbart werden, dass die Coronapandemie im jeweiligen Krankenhaus tatsächlich zur außergewöhnlichen Belastungssituationen führt (was wir derzeit ja noch nicht sicher sagen können).


Rekrutierung von Mitarbeiter*innen in Elternzeit oder im Ruhestand

Wir halten es auch für angezeigt, mit Mitarbeiter*innen Kontakt aufzunehmen, die sich derzeit in Elternzeit befinden oder in den letzten ein bis drei Jahren in den Ruhestand gegangen sind, damit lässt sich abschätzen, wie viele Pflegekräfte und Ärzte gegebenenfalls bereit wären, bei Eintritt einer echten Krisensituationen mitzuhelfen. Man wüsste auch bereits frühzeitig, mit wie vielen Wochenstunden das möglich ist und ob die Betreffenden auch bereit sind, mit Corona-Infizierten zu arbeiten. Auch hier empfehlen wir wieder: nicht warten, bis eine dringliche Lage eingetreten ist.

Auch ehemalige Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegekräfte, die den Beruf schon seit längerer Zeit nicht mehr aktiv ausüben, können rekrutiert werden.

Leider gibt es in einigen Häusern Schwierigkeiten, potentielle Helferinnen und Bedarf zusammenzubringen. Hier braucht es auch seitens der Personalabteilung eine task force, um ein Kontaktformular auf die Webseite zu stellen, Hilfsangebote zu kategorisieren, Kontakt mit den Helfer*innen aufzunehmen, Voraussetzungen zu checken, Kurzzeit-Arbeitsverträge zu machen und den Einsatz zu organisieren.


Schulung des rekrutierten Personals

Es ist aus unserer Sicht sinnvoll, vor der zu erwartenden Patientenwelle (noch) vorhandene Personalressourcen zu nutzen, um klinische Helfer*innen zu schulen. Einige Kliniken bieten „Crash-Kurse“ für ehemalige Ärzte und Pflegekräfte, die sich als freiwillige Helfer*innen anbieten. Hier können die Universitäten und Krankenpflegeschulen unterstützen. Die Schulungen sind notwendig, da schon die Einweisung in neue medizintechnische Geräte Zeit kostet. Nur wenn das ad hoc rekrutierte Personal handlungsfähig ist, kann es auch eine echte Unterstützung sein.


Psychosoziale Unterstützungs-Möglichkeiten

Wie die Bevölkerung mit der Covid-19 Pandemie umgeht, zeigt das COSMO Snapshot Monitoring, das wöchentliche Updates zur psychologischen Situation im Land gibt.

Für die Kommunikation mit Angehörigen wurde eine Formulierungshilfe von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin bereitgestellt.

Die DIVI gibt auch Handlungsempfehlungen für die klinische psychosoziale Notfallversorgung im Rahmen von Covid-19.

Viele Kliniken haben mittlerweile eigene Unterstützungsangebote vorbereitet. Für Mitarbeiter*innen in Krankenhäusern, die noch kein eigenes Unterstützungsangebot aufbauen konnten und die aufgrund pandemie-bedingter Belastungssituationen Rat und psychologische Hilfe suchen bieten wir Unterstützungsgespräche an. Diese dienen

  • zur Unterstützung bei der Stressbewältigung (Coping), Erhalt der Arbeitsfähigkeit, Erhalt der Teamfähigkeit
  • zur Hilfe beim Umgang mit Ärger, Schuldgefühlen, Stresssymptomen
  • Vermeidung posttraumatische Belastungsstörungen

Auch Führungskräfte, die Unterstützung suchen im Hinblick auf die Führung einzelner Personen, Führung des Teams, Workflow etc. können sich bei uns melden. Wir bieten Ihnen ein situationsbezogenes Direkt-Coaching zur Bewältigung der Führungsaufgaben im Krisenfall. Es besteht auch die Möglichkeit zur Videotelefonie.

Wenn Sie Unterstützung benötigen, erreichen Sie uns via Telefon unter 08131 / 320 68 72 E-Mail oder Kontaktformular.


Entwicklung der Covid-19-Pandemie (Archiv)

30.6.2020: Europa freut sich – die Welt leidet

Während in Europa die Meinung vorherrscht, das Schlimmste sei ja nun überwunden und das Verhalten in der Bevölkerung zunehmend entspannter (und nachlässiger) wird, sehen wir weltweit eine zunehmend exponentielle Entwicklung der Fallzahlen.

Bei den Diskussionen über Konjunkturpakete vermissen wir Nachrichten über Anstrengungen, besonders betroffenen Regionen (etwa in Südamerika) aktive und tatkräftige Unterstützung zu geben. Hinzu kommen die Probleme der Länder, in denen die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und existentiellen Gütern gefährdet ist. Covid-19 ist ein Problem der ganzen Welt und sollte mehr Solidarität hervorbringen, als wir es derzeit sehen.

Strategien zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie (28.4.2020)

Unter dieser Überschrift haben die Fraunhofer- Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Max-Planck- Gesellschaft am eine Stellungnahme herausgegeben, die m.E. a) wissenschaftlich fundiert und b) klar formuliert ist und c) der Komplexität gerecht wird.

Download der Stellungnahmen der Forschungsorganisationen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie:

Strategien zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie (PDF)

Adaptive Strategien zur Eindämmung der COVID-19-Epidemie (PDF)

Hier der Versuch, die Erkenntnisse aus diesen Veröffentlichungen in einem (etwas eigenwilligen) Schaubild zusammenzufassen:

Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie
Anstelle von Sackgassen: Adaptive Strategie zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie

Umgang mit Schutzkleidung

Video: Richtiger Umgang mit Schutzausrüstung der Med Uni Graz

Zur Wiederverwendung von Masken gibt es hier ein Video der DGIIN

  • Aufbau Schleusensituationen
  • Vorschlag bei Umwandlung von Stationen in Infektionseinheiten: Schleusenbereich schaffen, abgegrenzter Kontaminationsbereich
  • Speziell: falls Schutzkleidung wiederverwendet werden muss, muss genau erklärt werden, wie das aus- und anziehen zu erfolgen hat Die Verhinderung von Infektionen des Personals hat höchste Priorität.
  • Das einfache Aufhängen wiederverwendbarer Schutzkittel auf Infusionsständern vor Zimmern ist eine Infektionsquelle.
  • Bei Wiederverwendung von Schutzkitteln soll desinfizierbare Schutzkleidung verwendet werden. Sorgfältiges Absprühen mit Desinfektionsmittel (Pump-Sprühflasche) vor dem Ausziehen der Schutzkleidung.
  • Schutzbrille: unbedingt verwenden und bereits vor Ausziehen vorne / außen desinfizieren
  • Einseitiges Merkblatt für die tatsächlich geltenden Regeln / Möglichkeiten machen (laminieren)

Stellungnahme des Fachausschusses Prüfwesen der ÖGSV zur Aufbereitung von Einmal-Schutzmasken in der Corona-Krise


Wir haben einige Video-Tutorials v.a. zum Thema Beatmung direkt auf dieser Seite verlinkt (klick). Diese können vor allem für die Vorbereitung zusätzlich rekrutierter Mitarbeiter*innen sinnvoll sein.

Weitere ausgewälte Veröffentlichungen & Informationen

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Epidemiologie, Prävention und Therapie von Covid-19 finden Sie in den Scientific Newsletters der Abteilung Infektiologie & Spitalhygiene

Der Thieme Verlag hat eine eigene Webseite mit vertiefenden Informationen rund um das SARS-Cov-19 und die Corona-Pandemie veröffentlicht.

Die US-amerikanische Webseite Medium bietet hervorragende Analysen zur Corona-Pandemie und den zur Eindämmung erforderlichen Maßnahmen. Read: The Hammer and the Dance.

Im Moment erleben wir den Hammer. Nun geht es darum,

  • die Ansteckungsrate zu verringern und damit den Druck auf das Gesundheitssystem zur reduzieren,
  • echte Fälle zu identifizieren, indem wir systematisch testen und Kontaktpersonen nachverfolgen
  • Personal zu rekrutieren und die Kapazität des Gesundheitssystems auszubauen

Nach der ersten Welle haben wir die CHANCE auf einen milden weiteren Verlauf, wenn wir

  • die Ansteckungsrate R0 unter 1 halten (d.h. jede*r Infizierte steckt weniger als einen weiteren Menschen an), indem wir
    • sämtliche Verdachtsfälle testen, Infizierte und deren Kontaktpersonen systematisch und frühzeitig erfassen und in Quarantäne bringen
  • dann die Einschränkungen des öffentlichen Lebens vorsichtig lockern, was wiederum voraussetzt, dass
    • Maßnahmen zur Hygiene und zum sozialen (physischen) Abstand zuverlässig etabliert sind und größere Versammlungen weiterhin vermieden werden
  • bei Bedarf die Restriktionen sofort wieder anziehen

Szenario „Schnelle Kontrolle“

Medienberichten (27.3.2020) zufolge (hier BR, tagesschau) wird von Experten eine Strategie empfohlen, das sich am o.g. „Hammer and Dance“-Ansatz orientiert und folgende Elemente hat:

  • Niedrigschwellige Verfügbarkeit von Tests, Anwendung schon im Verdachtsfall. Dies entspricht eine Abkehr von der bisherigen (fatalen) Strategie des RKI, das für Tests nur unter engen Voraussetzungen (Symptome, Risikogebiet etc.) empfohlen hatte.
  • Systematisches Tracking von Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten, möglicherweise unter Zuhilfenahme einer App.
  • Sofortige Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen.
  • Schrittweises Öffnen der Einschränkungen (Schulen, Universitäten) – hoffentlich erst, nachdem die o.g. Maßnahmen wirksam in Kraft gesetzt sind.

Damit würden auch die Unternehmen, die nicht auf Home Office Lösungen ausweichen können, schrittweise wieder in der Lage sein, produktiv zu arbeiten.


Auch wenn es gegenwärtig kein Trost ist: Wir können und müssen aus der Covid-19 Pandemie lernen. Die Zeit seit Beginn des Jahres 2020 war gekennzeichnet durch eine Serie von Fehleinschätzung seitens öffentlicher Gesundheitsinstitutionen und Politik. Man verfuhr mit der Bedrohung durch das SARS-CoV-19 Virus wie mit dem Klimawandel. Was wir Mitte März in den europäischen Ländern sehen, hätte möglicherweise noch vermieden werden können, wenn man die Erfahrungen z.B. aus Korea ernst genommen hätte. Jetzt (30.3.20) geht es vor allem um eines: die Serie von Fehleinschätzungen zu beenden und z.B. eine vorzeitige Beendigung der Restriktionen nicht zuzulassen.

Bill Gates 2015: The next outbreak? We´re not ready (TED)

Interessant hierzu ist auch der eindringliche Artikel von Eric Topol auf Medscape, in dem er das chaotische Pademie-Mangement der US-amerikanischen Regierung beklagt: „COVID-19 was not supposed to kill young people, but young nurses and doctors are dying in the United States.“


Rechtliche Fragen im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Coronavirus / Covid 19 Pandemie

FAQ-Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Hierzu möchten wir auch auf einen Artikel unseres Kooperationspartners hinweisen: Antworten auf häufige juristische Fragen zum Thema Corona Virus / Covid-19


Anleitung für Videokonferenzen – so geht es einfach

Viele Unternehmen haben schon Videokonferenzen etabliert – viele andere aber noch nicht. Wir möchten Ihnen in der gegenwärtigen Situation „trial und error“ ersparen und stellen daher Anleitungen für die gängigsten und vor allem einfachsten Systeme online. Diese Anleitungen können Sie u.a. verwenden, um Mitarbeiter*innen, die noch nicht gewohnt sind, mit Videokonferenzen zu arbeiten, schnell dazu in die Lage zu versetzen.

Die Möglichkeit zur Videotelefonie kann auch genutzt werden, um ohne größere IT Voraussetzungen zeitnah telemedizinische Corona-Sprechstunden anzubieten. wir wissen, dass sich jetzt (16.3.2020) bereits viele nicht kritisch kranke Menschen alleine gelassen fühlen, weil sie niemanden mehr erreichen, der sie gesundheitlich betreut. Für dieses Klientel wäre eine Telesprechstunde ausreichend und es würde die Krankenhäuser und Praxen vor unnötigem Zulauf schützen. Selbstverständlich ist hier auch die Zusammenarbeit mit der KV zielführend. Mehr zum Theme Video-Sprechstunden finden Sie hier in einem Artikel des Thieme-Verlags.

Selbstverständlich können Sie diese Methoden gerne nutzen, um auch mit uns Videokonferenzen durchzuführen.


Videokonferenz mit Microsoft Teams

Vorteile:

  • Geht sehr einfach, wenn der Einladende Mícrosoft Outlook und Mícrosoft Teams auf dem Rechner hat und der Eingeladene den Internet-Browser Microsoft Edge nutzt.

Nachteile:

  • Funktioniert NUR, wenn der Eingeladene einen Windows-Rechner mit Microsoft Edge hat.
  • Wenn einer der Teilnehmenden Apple-Nutzer ist, wird es kompliziert (besser Zoom nutzen, s.u.)

Videokonferenz mit Microsoft Teams:
Anleitung für die EINGELADENEN Teilnehmer*innen

Videokonferenz mit Microsoft Teams: Anleitung für Organisatoren

Anleitung für das Einladen von Teilnehmern zu einer Videokonferenz mit Microsoft Teams:

Videokonferenzen mit ZOOM

Videokonferenz mit ZOOM:
Anleitung für die EINGELADENEN Teilnehmer*innen

Videokonferenz mit ZOOM: Anleitung für Organisatoren

Anleitung für das Einladen von Teilnehmern zu einer Videokonferenz mit ZOOM: